Objektbezogene Naturgefahrendaten für Underwriting, Prävention und Schadenregulierung — als Grundlage für die verschärften EU-Anforderungen ab 2027.
Der regulatorische Rahmen verschiebt sich
Mit der Überarbeitung von Solvency II (Richtlinie (EU) 2025/2) wird Nachhaltigkeit zur aufsichtsrechtlichen Pflicht. Ab dem 30. Januar 2027 gelten die neuen Anforderungen: Versicherungsunternehmen müssen Nachhaltigkeitsrisiken kurz-, mittel- und langfristig identifizieren, steuern und in Strategie, Governance und Kapitalanlage integrieren. Für wesentliche Exponierungen sind langfristige Klimaszenarien verpflichtend in die ORSA einzubeziehen, und es sind Nachhaltigkeitsrisikopläne zu erstellen.
Die Aufsicht bewegt sich bereits vor dem formalen Anwendungsbeginn: Physische Klimarisiken und die Robustheit von Geschäftsmodellen stehen 2026 auf der Prüfagenda. Parallel diskutiert die EIOPA die Nachjustierung der Länderfaktoren im Naturgefahrenmodul.
Der gemeinsame Nenner all dieser Entwicklungen ist derselbe: Physische Naturgefahrenrisiken müssen künftig quantifiziert statt beschrieben werden. Genau dort besteht die größte methodische Lücke — und genau dort setzt GMD® an.
Wo die Datengrundlage heute endet
Die Bewertung von Elementarrisiken stützt sich weitgehend auf Gefahrenzonenpläne, Schadenhistorie und Modellierung auf regionaler Ebene. Diese Grundlagen sind etabliert, aber sie haben drei bekannte Grenzen:
Sie sind zonenbasiert, nicht objektbezogen. Zwei Gebäude in derselben Zone können sehr unterschiedlich exponiert sein.
Sie sind retrospektiv. Sie beschreiben ein historisch beobachtetes Gefährdungsbild in einem Umfeld, in dem sich die Ereignishäufigkeit verändert.
Sie sind statisch. Sie sagen nichts über den aktuellen Zustand aus — weder über die laufende Belastung noch über die Entwicklung eines Standorts über die Zeit.
Was GMD® beiträgt
GMD® betreibt Sensornetze zur Erfassung von Naturgefahren im Alpenraum — Pegel, Niederschlag, Hangbewegung, Schneelage, seismische Aktivität. Für die Versicherungswirtschaft entstehen daraus drei Anwendungen.
1 — Risikobewertung mit Objektbezug. Messdaten aus dem Einzugsgebiet oder dem Hangbereich oberhalb eines Standorts machen die tatsächliche Exposition messbar. Über die Zeit entsteht eine objektbezogene Belastungshistorie, die die zonenbasierte Bewertung ergänzt.
2 — Schadenprävention als Vertragsbestandteil. Der wirtschaftlich stärkste Hebel liegt vor dem Schaden. Wird ein Betreiber Stunden vor dem Ereignis gewarnt, lassen sich mobile Werte sichern, Anlagen abfahren und Zugänge sperren. Der Unterschied zwischen Totalschaden und Betriebsunterbrechung liegt häufig in genau diesem Zeitfenster. Damit eröffnet sich ein eigenständiges Modell: Monitoring als geförderte oder vorgeschriebene Präventionsmaßnahme bei exponierten Risiken — vergleichbar mit Brandmeldeanlagen im Sachbereich.
3 — Ereignisdokumentation. Im Schadenfall ist die Rekonstruktion des Hergangs regelmäßig strittig. Kontinuierliche Messdaten dokumentieren Zeitpunkt, Verlauf und Intensität objektiv. Das beschleunigt die Regulierung, reduziert Gutachtensaufwand und schafft eine belastbare Grundlage bei Regressfragen.
Die Versicherungslücke als gemeinsames Problem
Die Schadenentwicklung im Alpenraum verläuft ungünstig. Wo Prämien schneller steigen als die Zahlungsbereitschaft, wächst der nicht versicherte Anteil — und damit ein Problem, das weder von der Assekuranz noch von der öffentlichen Hand allein zu lösen ist.
Prävention verändert diese Rechnung an der einzigen Stelle, an der sie sich verändern lässt: bei der Schadenhöhe. Ein Risiko, dessen Entwicklung messbar ist und für das Vorwarnzeit besteht, ist ein anderes Risiko als eines ohne beides.
Datenzugang und Regulatorik
GMD® stellt Daten über die GeoSenseAI®-Plattform und über offene Schnittstellen bereit. Anbindungen an bestehende Underwriting- und Schadensysteme sind möglich; Umfang, Aggregationsgrad und Zugriffsrechte werden vertraglich festgelegt.
Die Anforderungen aus DORA an digitale operationale Resilienz und Drittdienstleistersteuerung werden konzeptionell berücksichtigt. Das Hosting erfolgt wahlweise auf GMD®-Infrastruktur oder in der Umgebung des Kunden. Die Verarbeitung ist DSGVO-konform.
Gemeinsame Entwicklung
GMD® arbeitet mit Partnern aus der Versicherungswirtschaft an branchenspezifischen Auswertungen — von der objektbezogenen Risikobewertung über WebGIS-gestützte Portfoliosichten bis zu Präventionsmodellen für exponierte Bestände.
Für Erst- und Rückversicherer, die diesen Weg mitgestalten und dabei Zugriff auf eine im Aufbau befindliche Datengrundlage sichern wollen, ist ein direkter Austausch der schnellste Einstieg.