Eine Schutzhütte im Nationalpark Hohe Tauern, die wegen Wassermangels mehrfach vorzeitig schließen musste. Gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein erfasst GMD® seit 2025 Zufluss, Speicherstand und Entnahme in Echtzeit — ohne Stromanschluss, ohne Datennetz, auf 2.796 Metern.
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| Kennzahl | Wert |
| Montagehöhe | 2.796 hm |
| Erfasste Größen | Zufluss, Speicherung, Entnahme |
| Engergieversorgung | vollständig autark |
| Projektstart 2025 | Sommen 2025 |
| Erreichte Vorwarnzeit | - |

Die Neue Prager Hütte liegt auf 2.796 Metern südöstlich des Großvenedigers im Nationalpark Hohe Tauern. Sie ist Stützpunkt im Hochtouren-Wegenetz, Wanderziel vom Innergschlöß und eine der wenigen Hütten im Besitz des DAV-Bundesverbands.
In den vergangenen Jahren musste die Hütte ihre Saison wiederholt vorzeitig beenden — nicht wegen Wetter oder Baumängeln, sondern weil das Wasser ausging.
Die Ursache liegt oberhalb der Hütte. Die Wasserversorgung speist sich aus dem Umfeld eines rasch schmelzenden Gletschers. Was über Jahrzehnte als verlässlicher Zufluss galt, verhält sich heute anders: Die Schneedecke schmilzt früher ab, die Sommerschüttung bricht in Trockenperioden schneller ein, und das Zeitfenster zwischen ausreichender und unzureichender Versorgung ist kürzer geworden.
Für den Hüttenbetrieb bedeutet das eine Entscheidung unter Unsicherheit: Reicht das Wasser für die kommenden Wochen? Ohne Messung ist die Antwort eine Schätzung — und eine Fehleinschätzung führt zur Schließung mitten in der Saison, mit stornierten Reservierungen und Ausfällen für das Hüttenteam.

Die Aufgabe war nicht, Wasser zu messen. Die Aufgabe war, auf 2.796 Metern über Monate hinweg zuverlässig zu messen — unter Bedingungen, unter denen konventionelle Messtechnik ausfällt.
Keine Energieversorgung an der Quellfassung. Kein Netzanschluss, keine Möglichkeit, ein Kabel zu verlegen.
Keine Datenanbindung. Weder flächige Mobilfunkabdeckung noch vorhandene Datenleitungen.
Temperaturen und Vereisung. Frost über weite Teile des Jahres, Vereisung an Fassung und Leitung.
Schneelast und Windexposition. Die Anlagen müssen den Winter im Hochgebirge ohne Eingriff überstehen.
Zugänglichkeit nur wenige Monate. Material muss transportiert werden, Montagefenster sind kurz. Was im Sommer nicht funktioniert, lässt sich vor der nächsten Saison nicht mehr korrigieren.
Diese Randbedingungen bestimmten die gesamte Systemauslegung — von der Sensorwahl über das Energiekonzept bis zur Funkstrecke.

Der Deutsche Alpenverein formulierte drei Fragen, die das System beantworten sollte:
Wie viel kommt an?
Die Quellschüttung im Tagesverlauf und über die Saison — die Größe, die über alles Weitere entscheidet.
Wie viel ist gespeichert?
Der Füllstand des Quellwasser-Auffangbeckens als unmittelbare Reserve des Hüttenbetriebs.
Wie viel wird entnommen?
Der tatsächliche Verbrauch, aufgelöst nach Zeit — und damit die Grundlage, Verbrauch und Verfügbarkeit gegeneinander zu stellen.
Erst aus allen drei Größen entsteht die betrieblich entscheidende Aussage: Wie lange reicht die Reserve bei aktuellem Zufluss und aktuellem Verbrauch?
GMD® hat für den Standort ein eigens ausgelegtes IoT-Sensorsystem installiert, das kontinuierlich Zufluss, Wasserspeicherung und Entnahme des Quellwasser-Auffangbeckens misst.
Erfasste Größen:
Wassertemperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Windboen, Windrichtung,Die Auslegung folgt drei Grundsätzen, die sich aus dem Standort ergeben: berührungslos oder wartungsfrei, wo immer möglich, um Eingriffe im Betrieb zu vermeiden. Frostsicher in allen wasserführenden Komponenten. Sparsam im Energiebedarf, weil jede Milliamperestunde über die Winterfähigkeit entscheidet.
| Kennzahl | Wert |
| Messverfahren | Radar, |
| Messbereich | 0,1 - 20m |
| Auflösung | 1 mm |
| Messintervalle im Normalbetrieb | 5 min |
| Messintervalle im Ereignisfall | 2 Sekunden |
| Schutzklasse | IP67 / IP 78 |
Ohne Netzanschluss entscheidet das Energiekonzept über den Projekterfolg. Die Auslegung erfolgte deshalb nicht für den Sommerbetrieb, sondern für den ungünstigsten Fall: kurze Tage, tiefstehende Sonne, verschneite oder vereiste Module, Wochen ohne nennenswerten Ertrag.
Die Sensorknoten arbeiten mit Solarversorgung und Pufferakku. Die Modulausrichtung ist auf den Winterbetrieb optimiert, die Akkukapazität so dimensioniert, dass eine längere Phase ohne Einstrahlung überbrückt wird.
Der zweite Hebel ist der Verbrauch selbst. Weil die Vorauswertung direkt im Sensorknoten erfolgt, wird nicht jeder Rohwert übertragen, sondern nur, was relevant ist. Im Normalbetrieb genügen wenige Datenpakete pro Tag — bei auffälliger Entwicklung verdichtet das System die Messung und Übertragung selbstständig.

Für die Übertragung stand keine bestehende Infrastruktur zur Verfügung. GMD® hat deshalb ein eigenes Datennetz aufgebaut, das die Messwerte vom Quellwasser-Auffangbecken bis zur GeoSenseAI®-Plattform führt.
Der Aufbau erfolgt in zwei Stufen: Vom Sensorknoten zur Sammelstelle über eine energiesparende Funkstrecke im Gelände, von dort über Mobilfunk / Satellit an die Plattform.
Der Planungsaufwand lag dabei weniger in der Technik als in der Topografie: Jeder Standort muss messtechnisch sinnvoll und funktechnisch erreichbar sein. Im Hochgebirge schließen sich diese beiden Anforderungen häufig aus — die Lösung entsteht erst durch die Kombination aus Standortbegehung, Sichtverbindungsanalyse und der Möglichkeit, Zwischenstationen zu setzen.

Die Messdaten werden in Echtzeit auf der KI-basierten Analyseplattform GeoSenseAI® ausgewertet und dem Deutschen Alpenverein bereitgestellt.
Der Nutzen entsteht nicht aus dem Einzelwert, sondern aus der Verbindung der drei Größen. Ein Füllstand von 60 Prozent bedeutet bei starkem Zufluss etwas anderes als bei versiegender Quelle. Ein hoher Verbrauch ist unkritisch, solange der Zufluss ihn trägt.
GeoSenseAI® stellt diese Zusammenhänge dar und macht Entwicklungen sichtbar, die im Tagesbetrieb untergehen: Wie verändert sich die Schüttung über die Saison? Wie reagiert die Quelle auf eine Trockenperiode? Wie lange reicht die Reserve bei aktuellem Verbrauch?
Damit verschiebt sich die Betriebsentscheidung von der Erfahrung auf die Datenlage — und, was betrieblich entscheidender ist, sie wird früher möglich. Ein Rückgang, der sich über zwei Wochen abzeichnet, lässt Handlungsspielraum. Ein leeres Becken lässt keinen.
Für die Übertragung stand keine bestehende Infrastruktur zur Verfügung. GMD® hat deshalb ein eigenes Datennetz aufgebaut, das die Messwerte vom Quellwasser-Auffangbecken bis zur GeoSenseAI®-Plattform führt.
Der Aufbau erfolgt in zwei Stufen: Vom Sensorknoten zur Sammelstelle über eine energiesparende Funkstrecke im Gelände, von dort über Mobilfunk / Satellit an die Plattform.
Der Planungsaufwand lag dabei weniger in der Technik als in der Topografie: Jeder Standort muss messtechnisch sinnvoll und funktechnisch erreichbar sein. Im Hochgebirge schließen sich diese beiden Anforderungen häufig aus — die Lösung entsteht erst durch die Kombination aus Standortbegehung, Sichtverbindungsanalyse und der Möglichkeit, Zwischenstationen zu setzen.

Deutscher Alpenverein (DAV) — mit über 1,5 Millionen Mitgliedern der größte Bergsportverband der Welt. Der DAV setzt sich über sein Netzwerk aus Hütten, Wegen und Schutzgebieten seit Jahrzehnten für den Natur- und Ressourcenschutz im Alpenraum ein. Die Neue Prager Hütte gehört dem Bundesverband unmittelbar.
GMD® GmbH — verifiziertes GreenTech-Unternehmen und Verified Social Enterprise mit Sitz in Innsbruck. Verantwortlich für Konzeption, Sensorik, Datennetz, Installation und Plattformbetrieb.
Ergebnisse
Betriebssicherheit. Seit Inbetriebnahme im
Juni 2026liefert das System kontinuierlich Daten zur Wasserverfügbarkeit — Verfügbarkeit99,8,% einschließlich der unbewirtschafteten Wintermonate.Planungsgrundlage. Der Hüttenbetrieb verfügt erstmals über eine belastbare Aussage zur verbleibenden Reserve statt über eine Schätzung.
Datenreihe. Kontinuierliche Messung über
14 Monate— Grundlage für die Beurteilung des Quellverhaltens über mehrere Saisonen und für klimaadaptive Wassermanagementstrategien.Übertragbare Erkenntnisse. Diese Pilotprojekt kann 1:1 auf weitere Schutz- und Berghütte angewandt werden. Dadruch besteht hoches skalierungspotenzial.
Übertragbarkeit
Das Pilotprojekt ist von beiden Partnern als Modell angelegt: Die Erkenntnisse sollen mittelfristig auf weitere Hüttenstandorte und Schutzgebiete übertragen werden.
Der methodische Kern — autarke Erfassung von Zufluss, Speicherung und Entnahme an einem Standort ohne jede Infrastruktur — ist dabei nicht auf Schutzhütten beschränkt. Er gilt ebenso für Quellfassungen von Gemeinden und Wasserverbänden, für Beschneiungsanlagen und für Betriebe mit eigener Wasserentnahme. Wenn Monitoring auf 2.796 Metern funktioniert, funktioniert es auch an einer Quellfassung im Tal.